Gynäkologische Stelle wäre eine echte Hilfe

Grüne informierten sich über die Prostituierten- und Ausstiegsberatung „Tamar“ der Evangelischen Frauenhilfe

Über die Arbeit der Prostituierten- und Ausstiegsberatung „Tamar“ der Evangelischen Frauenhilfe informierte sich jetzt die Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Die Verbandspfarrerin der Frauenhilfe, Birgit Reiche, und die Sozialarbeiterin und Traumaberaterin Sabine Reeh berichteten über ihre Erfahrungen.

Seit drei Jahren ist Tamar die einzige Anlaufstelle für Prostituierte im Kreis Soest und in Südwestfalen. Überwiegend in den bekannten Betrieben – 19 im Kreis Soest – suchen die Mitarbeiterinnen den Kontakt zu den Frauen.

Durch die Einführung des neuen Prostituierten-Schutzgesetzes herrscht bei den Frauen eine große Verunsicherung. Angst haben viele vor dem Missbrauch ihrer Daten. Das Gesetz sieht vor, dass sie sich einmal jährlich beim Gesundheits- und beim Ordnungsamt vorstellen müssen. Der größte Teil der Prostituierten, die die Beratung von „Tamar“ in Anspruch nehmen, kommen aus Osteuropa, überwiegend aus Bulgarien, Rumänien, Polen und Russland. Einige Frauen arbeiten neben Studium, Ausbildung oder Beruf im Rotlichtgewerbe. Viele gehen anschaffen, um ihre Familien zuhause zu unterstützen. Sie haben Angst, Arbeitgeber, Kommilitonen oder die Familie könnten erfahren, wie sie ihr Geld verdienen. Oder Angst vor Strafverfolgung in ihrem Heimatland, in dem die Prostitution womöglich verboten ist.

Umso wichtiger ist daher die Arbeit von Tamar als nicht-staatliche Beratungsstelle. Durch ihr kontinuierliches Engagement vor Ort konnten sie ein gutes Vertrauensverhältnis zu vielen Frauen aufbauen. Dabei sind die Ressourcen – 1,5 Planstellen für ein großes Einzugsgebiet – begrenzt. Die Not der Frauen und die Nachfrage nach Unterstützung sind so groß, dass eigentlich drei Stellen nötig seien, erklärte Birgit Reiche.

Aus Sicht der Grünen sollte es staatlicherseits vor allem darum gehen, Bordelle und Zuhälter zu kontrollieren – und zum Beispiel darauf zu achten, ob das Werbeverbot für ‚Flatrates‘ oder den Verkehr ohne Kondom eingehalten wird“, sagt Kreistagsmitglied Annette von dem Bottlenberg.

Viele Frauen bewegen sich einer Grauzone, manche sind illegal, auf der Durchreise, ein großer Teil ist nicht krankenversichert. „Eine echte Hilfe wäre die Einrichtung einer gynäkologischen Stelle beim Kreis“, sagt Fraktionssprecherin Ilona Kottmann-Fischer. Das sei ein Schutz für die Frauen genauso wie für ihre Kunden und letztlich auch für deren Familien.

Verwandte Artikel